«Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.» Joh. 6,68



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Texte vom 2. Januar in der Weihnachtszeit
Kommentar zum heutigen Evangelium
Hl. Gregor der Große (um 540-604), Papst und Kirchenlehrer
Homilie zum Evangelium, Nr. 7

Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt und der nach mir kommt

„Ich taufe mit Wasser; aber mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt“. Johannes tauft nicht mit Geist, sondern mit Wasser. Er ist nicht befĂ€higt, SĂŒnden zu vergeben, sondern wĂ€scht den Leib der TĂ€uflinge mit Wasser, nicht aber den Geist mit Vergebung. Warum also tauft er, wenn er durch seine Taufe nicht SĂŒnden erlĂ€sst? Warum? Einfach weil er in seiner Rolle als Wegbereiter verbleiben will. Wie er mit seiner Geburt dem Herrn vorangegangen war, der bald darauf geboren werden sollte, so ging er auch mit seiner Taufe dem Herrn voran, der bald darauf taufen sollte. Er war der Wegbereiter Christi durch seine Predigt und wurde es auch durch jene Taufe, die ein Bild des kĂŒnftigen Sakraments darstellte.

Johannes kĂŒndigte mit seiner ErklĂ€rung ein Geheimnis an, Christus stehe mitten unter den Menschen und sie wĂŒrden ihn nicht erkennen; denn der Herr war, als er im Fleisch erschien, in seinem Leib sichtbar, in seiner MajestĂ€t aber unsichtbar. Johannes fĂŒgt hinzu: „Er, der nach mir kommt, ist mir voraus“ (Joh 1,15) [...] und schiebt die ErklĂ€rung fĂŒr den Vorrang Christi nach: „weil er vor mir war“. Eigentlich wollte er damit sagen: „Wenn er mir voraus ist – wo er doch nach mir zur Welt kam – so liegt es daran, dass die Zeit seiner Geburt ihn nicht einengt und ihm Grenzen setzt. Von einer Mutter ist er in der Zeit geboren, vom Vater ist er außerhalb der Zeit gezeugt.“

Johannes gibt kund, welch demĂŒtigen Respekt er Christus schuldet, wenn er fortfĂ€hrt: „Ich bin nicht wĂŒrdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen“. Nun gab es bei den Alten folgenden Brauch: Wenn ein Mann sich weigerte, das MĂ€dchen zu heiraten, das ihm versprochen war, schnĂŒrte er demjenigen die Schuhe auf, der letzten Endes der rechtmĂ€ĂŸige Gemahl des MĂ€dchens wurde. Hat sich nun Christus nicht als Gemahl der heiligen Kirche offenbart? [...] Weil aber die Menschen glaubten, Johannes sei der Christus – was Johannes selber abstreitet –, erklĂ€rt er sich fĂŒr unwĂŒrdig, Christus die Schuhe aufzuschnĂŒren. Es ist so, als wollte er deutlich machen [...]: „Ich maße mir nicht an, zu Unrecht den Namen Gemahl zu tragen“ (vgl. Joh 3,29).



 
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