«Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.» Joh. 6,68



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Samstag der 30. Woche im Jahreskreis
Kommentar zum heutigen Evangelium
Hl. Bruno von Segni (um 1045-1123), Bischof
Kommentar zum Lukasevangelium, 2,14; PL 165,406

„Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht“

„Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde“ (Ps 23(22),5) [...] Was können wir uns noch mehr wĂŒnschen? Warum sollten wir uns die ersten PlĂ€tze aussuchen? Auf welchem Platz auch immer wir sitzen, wir haben alles im Überfluss und uns fehlt es an nichts. Du aber, der du den ersten Platz haben willst, wer auch immer du bist – geh und setze dich auf den letzten Platz. Lasse es nicht zu, dass dein Wissen dich hochmĂŒtig aufgeblasen macht; lasse dich nicht durch den guten Ruf hochtrabend werden. Denn je grĂ¶ĂŸer du bist, desto mehr musst du dich in allem demĂŒtigen und „du wirst Gnade vor Gott finden“ (vgl. Lk 1,30), so sehr, dass er dir im rechten Augenblick sagen wird: „Mein Freund, rĂŒck weiter hinauf!“; und es wird eine Ehre fĂŒr dich sein vor allen, die mit dir an der Festtafel sitzen.

Ganz sicher stand Mose seiner Ansicht nach an letzter Stelle. Denn als der Herr ihn zu den Kindern Israels senden und ihm einen höheren Platz geben wollte, hat er ihm geantwortet: „Aber bitte, Herr, schick doch einen andern, denn ich kann nicht sprechen“ (vgl. Ex 4,13). Das entspricht ja etwa den Worten: Ich bin einer solch hohen Sendung nicht wĂŒrdig. Auch Saul sah sich eher als einen Mann von bescheidener Stellung, als der Herr ihn zum König machte. Bei Jeremia war es Ă€hnlich, der sich davor fĂŒrchtete, an die erste Stelle zu treten und sagte: „Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung“ (Jer 1,6). Durch die Demut also, nicht durch den Hochmut, durch die Tugenden, nicht durch das Geld sollen wir danach trachten, den ersten Platz einzunehmen.





 
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