«Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.» Joh. 6,68



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GedÀchtnis der Schmerzen Mariens
Kommentar zum heutigen Evangelium
Sel. Guerricus von Igny (um 1080-1157), Zisterzienserabt
4. Predigt zum Fest MariÀ Aufnahme in den Himmel

„Von jener Stunde an nahm sie der JĂŒnger zu sich“

Als Jesus durch die StĂ€dte und Dörfer zu ziehen begann, um die Gute Nachricht zu verkĂŒnden (Mt 9,35), ging Maria mit ihm. Sie wich nicht von seiner Seite und hing an seinen Lippen, sobald er seinen Mund auftat, um zu lehren. Und das in einem Maße, dass weder ein Sturm der Verfolgung noch der Schrecken des Martertodes sie hat dazu bringen können, auf die Gemeinschaft mit ihrem Sohn und die Lehre ihres Meisters zu verzichten. „Bei dem Kreuz Jesu stand Maria, seine Mutter“ (vgl. Joh 19,25). Sie ist wahrhaft Mutter, eine Mutter, die ihren Sohn nicht im Stich gelassen hat, auch nicht angesichts der Schrecknisse des Todes. Wie auch hĂ€tte der Tod sie erschrecken können, sie, deren „Liebe stark war wie der Tod“ (vgl. Hld 8,6), sogar stĂ€rker noch als der Tod. Ja, sie stand bei dem Kreuz Jesu, und die Qual dieses Kreuzes kreuzigte in ihrem Herzen auch sie. Alle Wunden, die sie am Leib ihres Sohnes sah, drangen wie Schwerter durch ihre Seele (Lk 2,35). So hat sie zu Recht den Namen Mutter erhalten, und zu Recht ist ein erlesener BeschĂŒtzer bestimmt worden, der sie in seine Obhut nehmen sollte. Denn vor allem hier offenbart sich die vollkommene Liebe der Mutter zum Sohn und das wahre Menschsein, das von der Mutter auf den Sohn gekommen ist [...]

„Da Jesus sie liebte, erwies er ihr seine Liebe bis zur Vollendung“ (vgl. Joh 13,1). Nicht nur das Ende seines Lebens gehörte ihr, ihr galten auch seine letzten Worte. Jesus schloss gewissermaßen sein Testament damit ab, dass er dem Erben, den er am meisten liebte, die Sorge fĂŒr seine Mutter anvertraute [...] Petrus erhielt die Kirche, Johannes Maria. Dieser Teil des VermĂ€chtnisses entfiel auf Johannes als Zeichen einer besonders großen Liebe, aber auch aufgrund seiner Keuschheit [...] Es war ja auch angemessen, dass kein anderer fĂŒr die Mutter des Herrn sorgte als der JĂŒnger, den der Sohn liebte. Durch diese von der Vorsehung getroffene VerfĂŒgung sollte der kĂŒnftige Evangelist vertrauensvoll mit ihr, die ĂŒber alles Bescheid wusste, ĂŒber alles reden können, mit ihr, die von Anfang an alles, was mit ihrem Sohn zu tun hatte, aufmerksam verfolgt hatte und alles, was geschehen war, in ihrem Herzen bewahrte und darĂŒber nachdachte (Lk 2,19).






 
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