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Mittwoch der 11. Woche im Jahreskreis
Kommentar zum heutigen Evangelium
Hl. Johannes vom Kreuz (1542 - 1591), Karmelit, Kirchenlehrer
Geistlicher Gesang A, 1. Str., 6-7
«Geh in deine Kammer, wenn du betest»
Die Seele fragt den Bräutigam: „Wo hältst du dich versteckt?“... Zeigen wir ihr doch als Antwort den genauen Ort, wo er sich versteckt, den Platz, wo sie ihn mit Gewissheit findet, auf so vollkommene und behutsame Weise, wie es in unserem Leben halt möglich ist. Von da an wird sie nicht mehr vergeblich auf der Suche nach ihm die Stadt durchstreifen (vgl. Hld 3,2).
Eines müssen wir wissen: Das Wort, der Sohn Gottes, wohnt gemeinsam mit dem Vater und dem Heiligen Geist wesenhaft und gegenwärtig in der Seele, die gleichen Wesens ist: dort ist er verborgen. Die Seele, die ihn finden möchte, muss sich also... von allem Geschöpflichen trennen; sie muss in sich selbst eintreten und in so tiefer Sammlung verharren, dass für sie alle Geschöpfe so sind, als wären sie nicht. „Herr“ – so wandte sich der hl. Augustinus in seinen Selbstgesprächen an Gott – „ich fand dich nicht außerhalb von mir, mein Suchen war ja falsch: ich suchte dich außerhalb, und du warst in mir“! Gott ist also in unserer Seele verborgen, und dort muss ihn der wahre mystische Mensch suchen und fragen: „Wo hast du dich versteckt?“
Nun, o Seele, schönstes aller Geschöpfe Gottes, brennend gerne möchtest du wissen, wo der ist, den du liebst, damit du ihn finden kannst und eins werden mit ihm. Du wirst es sogleich erfahren: du selber bist seine Wohnung, bist der Ruheplatz, wo er sich versteckt. Welche Freude für dich, welcher Trost! Dein Schatz, dem all deine Hoffnung gilt, er ist dir so nahe! Er ist in dir selbst, mehr noch: ohne ihn könntest du nicht existieren! Höre auf den Bräutigam, es sind seine Worte: „Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch (Lk 17,21). Und sein Diener, der hl. Apostel Paulus, sagt uns seinerseits: „Ihr seid der Tempel Gottes“ (2 Kor 6,16).
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