«Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.» Joh. 6,68



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Freitag der 17. Woche im Jahreskreis : Mt 13,54-58
Kommentar des heutigen Evangeliums
Sel. Johannes XXIII. (1881 – 1963), röm. Papst
Geistliches Tagebuch, § 1901-1903

„Woher hat er diese Weisheit?... Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns?“

Jedesmal, wenn ich mich in das große Geheimnis des verborgenen und demütigen Lebens Jesu versenke, das er in den ersten dreißig Jahren seines Lebens geführt hat, setzt mein Verstehen aus und die Worte fehlen mir. Ja, es ist völlig einleuchtend: Vor einer so strahlenden Lehre erscheinen nicht nur die Urteile der Welt, sondern auch die Urteile und Gedankengebäude vieler kirchlicher Würdenträger gänzlich falsch und ihr entgegengesetzt.
Ich für meinen Teil gebe zu, dass ich noch nicht einmal die Anfangsgründe davon mir zu eigen machen konnte. So wie ich mich kenne, will es mir scheinen, dass ich nur den Schein von Demut besitze, doch ihren wahren Geist, diese „Liebe zur Selbstentäußerung“, die Jesus Christus in Nazareth gezeigt hat, kenne ich nur dem Namen nach. Und was soll ich erst dazu sagen, dass Jesus dreißig Jahre verborgen gelebt hat, dass er Gott war und dass er „der Abglanz der Herrlichkeit des Vaters“ war (vgl. Hebr 1,3), dass er gekommen ist, um die Welt zu retten und dass er all dies einzig deshalb getan hat, um uns zu lehren, wie wichtig die Demut ist und wie sie zu üben ist! Ich aber bin ein so großer Sünder und so elend, dass ich nur daran denke, mir selbst zu Gefallen zu sein, Erfolge ersehne, die mir ein wenig irdische Ehren erwirken. Ich kann nicht den kleinsten heiligen Gedanken erwägen, ohne dass sich in ihn die Sorge um mein Ansehen bei den anderen einschleicht... Letztlich kann ich mir nur mit großer Kraftanstrengung diese Idee der wahren Selbstentäußerung zu eigen machen, wie Jesus sie geübt hat und wie er sie mich lehren wollte.



 
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